TEP Themen Mail
Die Territorialen Beschäftigungspakte (TEPs) in Österreich leisten einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Arbeitsmarktpolitik. Mit Unterstützung des Europäischen Sozialfonds (ESF) setzen sie in den Bundesländern innovative Strategien und Projekte um. Ein wesentliches Element der TEPs liegt in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit, um dadurch Lösungsansätze für komplexe Herausforderungen finden zu können, wie etwa im Rahmen des Schwerpunktes 3b des ESF, der die Verbesserung der Situation arbeitsmarktferner Personen im Fokus hat.
Grund genug, im Jahr 2012 alle österreichischen TEPs in Form sogenannter TEP Themenmails „vor den Vorhang“ zu holen. Den Beginn macht das Bundesland Kärnten. Die weiteren Bundesländer werden bis Jahresende fortlaufend präsentiert. Die Inhalte dieser Themenmail wurden seitens des TEP Kärnten verfasst und abgestimmt, wofür wir uns herzlich bedanken.
Die Finanzierung der TEPs in den ESF-Schwerpunkten 1, 2 und 3b erfolgt zu 46% aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds sowie zu 54% aus nationalen Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK). Bei Schwerpunkt 3b werden die nationalen Mittel im Rahmen des TEP Kärnten aufgebracht.
1) TEP Kärnten und die EU 2020 Strategie - Schwerpunkt "Ältere"
2) TEP Kärnten im Visier: "MoWiJob" - Modularer Wiedereinstieg in den Job
3) Besonderheiten im TEP-Kärnten: Kooperation zwischen AMS und Land Kärnten
1) TEP Kärnten und die EU 2020 Strategie - Schwerpunkt "Ältere"
Unter dem Stichwort "Europa 2020" hat die Europäische Union (EU) eine Wirtschaftsstrategie für die kommenden zehn Jahre beschlossen, die unter anderem eine Modernisierung der Arbeitsmärkte und eine Erhöhung der Beschäftigungsquote beinhaltet. Erreicht werden sollen diese Ziele beispielsweise durch die verstärkte Einbindung von Frauen und MigrantInnen in den Arbeitsmarkt und durch die Anhebung der Beschäftigungsquote Älterer.
Der TEP Kärnten hat die Dringlichkeit der arbeitsmarktpolitischen Auseinandersetzung mit der Beschäftigung Älterer bereits seit längerem erkannt. Im Rahmen der Initiative "TEP Elderly" wurden zunächst Wissen und Kompetenzen im Umgang mit diesem Thema erworben und in der Folge sowohl strategisch als auch operativ im TEP Kärnten-Programm verankert.
2007 wurde im Rahmen des TEP Kärnten eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema "Arbeit und Alter" eingerichtet, in der die Kernpartner Arbeitsmarktservice (AMS) und Land Kärnten gemeinsam mit den Sozialpartnern (Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Arbeiterkammer, Österreichischer Gewerkschaftsbund) und dem Bundessozialamt vertreten sind. Die Arbeitsgruppe setzt sich seit mehreren Jahren systematisch mit der vielschichtigen Aufgabestellung "Ältere in Beschäftigung bringen und halten" auseinander. Aktivitäten wurden auf drei Ebenen ("3-Säulen-Modell") initiiert:
Säule 1: Sensibilisierung/Vernetzung
Aufbau eines kärntenweiten "Arbeit und Alter" Netzwerkes , Herausgabe einer "Arbeit und Alter" Broschüre zum Thema "häufig gestellte Fragen" und Angaben zu Förderungen/Beratungsangeboten zu diesem Thema, 2x jährliche Fachveranstaltungen für die NetzwerkpartnerInnen (siehe auch: Veranstaltungsprogramme 2008/09/10/11), Fachbeiträge in den Medien der TEP-Partnerorganisationen.
Säule 2: Entwicklung und Implementierung neuer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen für Ältere
(z.B. SP 2-Innovationsprojekt "Arbeitslust statt Wartefrust", Modell "Individualisierte Weiterbildung für Ältere")
Säule 3: Entwicklung und Implementierung von Beratungs- und Ausbildungsangeboten
(z.B. Pilotprojekt "Alternsgerechte Arbeitskarrieren" in Kleinbetrieben, Entwicklung eines Speziallehrganges zum Thema "Arbeit und Alter" für BetriebsrätInnen und FunktionärInnen des ÖGB, "GENIAL" – Generationen im Arbeitsleben – www.genial.ktn.gv.at, Gründung eines "Genial"-Qualifizierungsverbundes;)
Die Herausforderungen, die mit dem Thema "Arbeit und Alter" verbunden sind, werden bis 2020 noch weiter zunehmen, nicht zuletzt durch die immer dringlichere Forderung nach der Anhebung der Beschäftigungsquote älterer ArbeitnehmerInnen (55-64 Jahre), bedingt durch den demografischen Wandel und den von der Wirtschaft kommunizierten Fachkräftemangel in neuen Technologien (ca. 1000 Personen bis 2015). Der TEP Kärnten stellt sich dieser Aufgabe auf regionaler Ebene, indem die Kompetenzen einer Vielzahl von Organisationen zu diesem Thema gebündelt werden und gemeinsam an Lösungen gearbeitet wird. Parallel dazu werden im abgestimmten TEP-Planbudget für 2012 in der Höhe von € 37.458.000,- rund 20-25% für Personen über 45 Jahren eingesetzt werden (Quelle AMS Kärnten).
2) TEP Kärnten im Visier: "MoWiJob" - Modularer Wiedereinstieg in den Job
Im Rahmen des ESF-Schwerpunktes 3b wurde das Pilotprojekt "Modularer Wiedereinstieg", kurz "MoWiJob", kärntenweit umgesetzt. Unter dem Motto "MigrantInnen und ÖsterreicherInnen lernen von- und miteinander" hatten über 100 TeilnehmerInnen aus 45 Nationen die Möglichkeit, neben ihren Deutschkenntnissen auch ihre Grundkulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen und den Umgang mit dem Computer zu verbessern und damit den Job-Wiedereinstieg zu schaffen.
Mangelnde Qualifizierung ist unter anderem die Hauptursache für Langzeitarbeitslosigkeit. Die Chancen auf eine Reintegration in den 1. Arbeitsmarkt sind, bedingt durch die verschärften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gering. Durch ein umfassendes Kurs- und Beratungsangebot mit begleitender sozialpädagogischer Betreuung, einem modularen Aufbau und einer schrittweisen Annäherung an den Arbeitsmarkt unterscheidet sich das Projekt von herkömmlichen Angeboten. Finanziert wurde MoWiJob aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, dem Land Kärnten und dem AMS Kärnten. Die Umsetzung zwischen 1. Jänner 2010 und 31. Dezember 2011 erfolgte durch die Kärntner Volkshochschulen.
Defizite verbessern
Dank der individuellen Betreuung von arbeitsmarktfernen Personen konnte ein maßgeblicher Beitrag zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung geleistet werden. Die Fokussierung auf Personen mit Defiziten in Grundkulturtechniken erfolgt im Rahmen eines umfassenden Lösungsansatzes:
4-Stufen-Modulsystem
Ausgehend von einer Grundbildung in Modul 1 mit speziellem Fokus auf Grundkulturtechniken (Lesen, Schreiben und Rechnen) sowie EDV-Trainings führte die Ausbildung in Modul 2 mittels Bildungsberatung zur beruflichen Weiterentwicklung. Das Modul 3 beschäftigte sich mit beruflicher Qualifizierung und dem Nachholen eines Formalabschlusses. Schließlich wurden die TeilnehmerInnen in Modul 4 in Betriebe eingegliedert, um auch den tatsächlichen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu schaffen.
Raus aus Arbeitslosigkeit
Das Projekt "MoWiJob" schaffte es, die TeilnehmerInnen im Projektzeitraum aus der Langzeitarbeitslosigkeit zu holen und neben einer Höherqualifizierung und dem Sichtbarmachen von vorhandenen Kompetenzen und Fähigkeiten auch ihr Selbstvertrauen zu stärken.
Stolze TeilnehmerInnen
Auch die TeilnehmerInnen bestätigen den Projekterfolg: "Ich bin stolz, denn ich kann jetzt mehr Deutsch verstehen. Ich kann gut lesen und schreiben und am besten sprechen. Ich muss weiter lernen, warum – weil meine Zukunft hier ist. Und meine österreichischen Freunde helfen mir im Kurs, wenn ich Dinge noch nicht so gut verstehe", so der 18-jährige Tagi H. aus Afghanistan.
Nähere Informationen
Mag.a (FH) Katrin Binder, M.A., Projektkoordination "MoWiJob", email: k.binder@vhsktn.at
www.vhsktn.at und www.pakte.at
Für diese Zielgruppenpersonen wird 2012/2013 das Projekt "360° - Kärnten für EinsteigerInnen" mit besonderem Umsetzungsfokus in peripheren Gebieten durchgeführt.
Weitere Projekte des TEP Kärnten:
MIGRANTINNEN- Umfeldarbeit und Berufsorientierung
Wege erhalten-Landschaft gestalten
3) Besonderheiten im TEP-Kärnten: Kooperation zwischen AMS und Land Kärnten
Der Territoriale Beschäftigungspakt in Kärnten wurde bereits im Jahr 1999 gegründet. In der Landschaft der TEPs in Österreich nimmt der TEP Kärnten eine besondere Position ein. Er ist der einzige Pakt, der vom Arbeitsmarktservice als zwischengeschaltete Stelle (ZWIST) verantwortet wird.
Auf strategischer Ebene wird der TEP Kärnten als Kooperationsübereinkommen zwischen Land und AMS verstanden (=Kernteam). Um eine verbindliche und koordinierte arbeitsmarktpolitische Vorgangsweise zu gewährleisten und eine ganzheitliche Beschäftigungs- und Qualifizierungspolitik umsetzen zu können, wurde im Rahmen des TEP Kärnten tieferstehendes Kooperationsmodell (Grafik 1) eingerichtet.

Grafik 1: Kooperationsmodell
Die TEP-Plattform als Koordinationsgremium besteht mittlerweile aus 24 Personen: VertreterInnen von AMS (Geschäftsführung, Förderung, Service für Arbeitsuchende), Land Kärnten (Bildung, Soziales), Gemeinden, Landesentwicklung, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung, Österreichsicher Gewerkschaftsbund, Arbeiterkammer, Bundessozialamt und Gleichstellungs/Gender Mainstreaming Beauftragte des Landes und AMS.
Die Plattform ist das Gremium, in dem mit allen PartnerInnen ein Meinungs- und Zustimmungsprozess initiiert und durchgeführt wird. In der Planung der Jahresprogramme des Paktes werden einerseits die Strategien und Zielvorgaben des AMS berücksichtigt, anderseits die Ziele des Landes Kärnten mit einbezogen. Das Ergebnis ist jeweils ein breitgefächertes Programm an unterschiedlichen Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen, das gemeinsam von AMS und Land finanziert wird. Darüber hinaus verlangt die Entwicklung des Arbeitsmarktes laufend Anpassungen der Strategien und Instrumente mit denen neue Herausforderungen bewältigt werden müssen. Hierfür reservieren die TEP Kärnten Programme Platz für die Entwicklung innovativer Ansätze.
Der synergetische Nutzen des Paktes in Kärnten liegt einerseits in der konsensualen Festlegung der notwendigen präventiven und reaktiven Interventionen in das Wirtschafts- und Arbeitsmarktgeschehen und andererseits in der Bündelung von Finanzmitteln. Durch das eingesetzte Gesamtbudget von Seiten des Arbeitsmarktservice Kärnten und des Land Kärnten in der Höhe von € 67,8 Mio. (davon € 28.3 Mio. im Rahmen des TEP Kärnten) konnten markante Entlastungseffekte auf die jährlichen Arbeitslosenquoten gesetzt werden. Ohne die genannten Mittel wäre die Arbeitslosenquote in Kärnten im Jahr 2011 um 2%-Punkte höher ausgefallen (Grafik 2).

Grafik 2: Entlastungseffekte
Eine genauere Betrachtung zeigt, dass durch die Entlastungseffekte im Jahr 2011 in der Höhe von 2% die Arbeitslosigkeit von 4.807 Personen verhindert werden konnte. Der Entlastungseffekt kann auch folgendermaßen dargestellt werden. Aus der Relation zwischen dem Gesamtbudget 2011 des AMS (inklusive TEP Budget) und dem reinen TEP Budget lässt sich theoretisch eine Personenzahl hochrechnen, die durch den Einsatz des TEP Budgets nicht arbeitslos wurden. Wie aus der unten folgenden Grafik 3 ersichtlich wird, ergibt sich aus dieser Hochrechnung eine Zahl in der Höhe von 2.006 Personen.

Grafik 3: Entlastungseffekte
Beide TEP KernpartnerInnen übernehmen einen Anteil des TEP-Gesamtbudgets (siehe Grafik 3) welches, je nach Problemsituation, variabel gestaltet wird. Es belief sich in den letzten Jahren zwischen ca. € 28 Mio. bis € 37 Mio. Die Unterstützungsstruktur (siehe Grafik 1), die aus Mitteln des ESF SP 5 und Mitteln des BMASK kofinanziert wird, ist für die Koordination, Kooperation und der Sicherstellung von Kommunikationsabläufen innerhalb des gesamten Paktes verantwortlich. Über diese Struktur sichert sich der TEP Kärnten die nationale und internationale Zusammenarbeit mit anderen TEP Strukturen.
In diesem Zusammenhang wurden bereits die europäischen Gemeinschaftsinitiativen und Aktionsprogramme wie z.B. Adapt, Youthstart, Lokales Kapital für soziale Zwecke, TEP Elderly umgesetzt. Diesbezüglich wurden gesonderte Arbeitsgruppen/Steuerungsgruppen, bestehend aus Plattformmitgliedern eingerichtet, welche durch die Unterstützungsstruktur auch in operativen Angelegenheiten begleitet wurden.
Der TEP Kärnten nützt die Möglichkeit von Entwicklungen neuer Methoden, Techniken und Maßnahmentypen. Vorrangiges Ziel ist es, Personengruppen mit Mehrfachproblematiken in den Arbeitsmarkt wieder zu integrieren. Zudem soll das Potential von in-Beschäftigung-Stehenden gestärkt werden. Derzeit werden dafür im Rahmen der Programme ESF SP 3b (arbeitsmarktferne Personen), ESF SP 1 (Qualifizierung und ESF) SP 2 (Beschäftigung) innovative Maßnahmen entwickelt und in den Arbeitsmarkt implementiert. In diesem Zusammenhang kann noch auf eine Besonderheit des TEP Kärnten hingewiesen werden: Im Rahmen des ESF SP 5 ist das AMS Kärnten als ZWIST für die Verwaltung und Bescheinigung verantwortlich, das Land Kärnten übernimmt, eingebettet in der Gesamtkonstruktion des TEP Kärnten, die ZWIST-Verantwortung in finanziell-administrativer Abwicklung der ESF Mittel SP 3b, 1 und 2.
Seit dreizehn Jahren bewährt sich der TEP Kärnten als effektives arbeitsmarktpolitisches Instrument durch Information, Planung, Initiierung und Abwicklung von einem breiten Spektrum an arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitisch relevanten Beschäftigungs- und Qualifizierungsaktivitäten.
Der Grund für diesen gemeinsamen Erfolg besteht darin, dass alle TeilnehmerInnen des Kärntner Territorialen Beschäftigungspaktes sich folgendes Leitmotiv gesetzt haben: "Der Territoriale Beschäftigungspakt Kärnten ist eine vertraglich vereinbarte Partnerschaft, mit dem Ziel, die Arbeitsmarktpolitik durch ein planvolles Zusammenwirken ihrer AkteurInnen effizient und effektiv zu gestalten und zu unterstützen."
